Rote Johannisbeeren anbauen


Rote Johannisbeeren (Ribes rubrum) werden 1 bis 1,5 Meter hoch, vertragen Halbschatten und lassen sich flach an einer Wand ziehen, was nur wenige Beerensträucher mitmachen. Wie viel du erntest, entscheidet der Schnitt, und der funktioniert genau umgekehrt wie bei schwarzen Johannisbeeren. Behandelst du einen roten Strauch wie einen schwarzen, schneidest du die Ernte weg.

Der Schnitt funktioniert umgekehrt wie bei schwarzen Johannisbeeren

Schwarze Johannisbeeren tragen ihre Ernte an einjährigem Holz, also an Trieben, die in der vergangenen Saison gewachsen sind. Deshalb wird jedes Jahr etwa ein Drittel der ältesten Triebe bodennah herausgenommen. So wird der Strauch im Artikel über schwarze Johannisbeeren geschnitten. Stachelbeeren werden dagegen nicht so behandelt, sondern nach demselben Prinzip wie rote Johannisbeeren.

Rote Johannisbeeren tragen stattdessen an kurzen Fruchttrieben, den sogenannten Fruchtspießen. Diese bauen sich an mehrjährigen Trieben auf und an der Basis der Seitentriebe vom Vorjahr. Das Gerüst ist also nichts, was ausgetauscht wird, sondern etwas, das du aufbaust und behältst. Schneidest du die ältesten Triebe an einem roten Johannisbeerstrauch heraus, so wie du es bei einem schwarzen tust, nimmst du genau das Holz weg, das die Beeren trägt.

Vergleich Schwarze Johannisbeeren Rote Johannisbeeren
Tragen an einjährigem Holz Fruchttrieben an mehrjährigem Holz
Das Gerüst wird laufend erneuert bleibt, 8 bis 10 Gerüsttriebe
Jährliche Maßnahme ein Drittel der ältesten Triebe entfernen Jahrestriebe einkürzen, 1 bis 2 alte Triebe entfernen
Machst du es umgekehrt der Strauch verkahlt und trägt weniger du schneidest die Ernte weg

So baust du das Gerüst auf

Schneide im Spätwinter oder frühen Frühjahr, bevor die Knospen austreiben.

  1. Jahr 1: wähle bis zu fünf kräftige, gleichmäßig verteilte Triebe aus und kürze sie auf 15 bis 20 cm. Den Rest nimmst du an der Basis heraus.

  2. Jahr 2: kürze den Zuwachs des Vorjahres an den ersten Trieben um die Hälfte. Wähle danach weitere fünf bis sechs nach außen gerichtete Triebe aus und kürze auch sie um die Hälfte. Das Ziel sind 8 bis 10 Triebe in einer offenen Schalenform.

  3. Ab Jahr 3: kürze die Jahrestriebe der Gerüsttriebe um ein Viertel bis die Hälfte.

  4. Beim selben Durchgang: schneide die Seitentriebe, die aus den Gerüsttrieben wachsen, auf 1 bis 2 Knospen zurück. Dort bilden sich die Fruchttriebe.

  5. Jedes oder jedes zweite Jahr: nimm 1 bis 2 alte Triebe heraus, die nicht mehr gut tragen, damit sich der Strauch langsam erneuert, ohne sein Gerüst zu verlieren.

Von Mitte Juni bis Juli kürzt du die diesjährigen Seitentriebe auf fünf Blätter. Der Sommerschnitt lässt Licht in die offene Mitte und lenkt die Kraft in die Fruchttriebe statt ins Blattwerk.

Einzelstamm und U-Form an einer Wand

Weil die Ernte an einem bleibenden Gerüst sitzt, lassen sich rote Johannisbeeren in Formen ziehen, die bei schwarzen nicht funktionieren. Das ist unter Beerensträuchern ungewöhnlich und bedeutet, dass ein schmaler Streifen an einer Wand für eine Ernte reicht.

  • Einzelstamm: ein einziger aufrechter Stamm mit Fruchttrieben auf der ganzen Höhe. Setze die Pflanzen 30 bis 40 cm auseinander in die Reihe und binde jede Pflanze an einen Stab von etwa 1,7 Metern. Spanne Drähte an der Wand mit 40 bis 60 cm Abstand zueinander.

  • U-Form: wähle zwei Seitentriebe 15 bis 25 cm über dem Boden und leite sie in einem Winkel von 30 Grad nach beiden Seiten. Sind sie 20 bis 25 cm lang, biegst du sie auf, sodass sie gerade nach oben wachsen und ein U bilden.

  • Fächer: fünf Gerüsttriebe in einer Ebene an der Wand ausgebreitet, mit 1,5 Metern zwischen den Pflanzen.

Geformte Pflanzen werden zweimal im Jahr geschnitten, im Spätwinter und noch einmal im Juni oder Juli. Das Prinzip ist dasselbe wie beim Strauch: die Gerüsttriebe werden um ein Viertel bis die Hälfte gekürzt, die Seitentriebe auf 1 bis 2 Knospen.

Standort, Boden und Pflanzabstand

Rote Johannisbeeren stehen am liebsten sonnig, wachsen aber auch im Halbschatten gut und tragen an einer Nordwand. Die Beeren reifen dann etwas später und werden weniger süß, was ein fairer Preis für einen Platz ist, der sonst leer stünde.

Der Boden soll humusreich und gut durchlässig sein. Ist er mager, arbeitest du vor dem Pflanzen einen Eimer Kompost oder gut verrotteten Rinderdung in den ausgehobenen Boden ein. Wie viel nötig ist, hängt davon ab, womit du anfängst, und dazu findest du mehr in der Übersicht über verschiedene Bodenarten.

Halte 1,2 bis 1,5 Meter zwischen den Sträuchern. Pflanze im Frühjahr oder Herbst, wenn der Boden feucht und die Luft kühl ist. Bring jedes Frühjahr eine Schicht Kompost oder Rindenhumus rund um die Basis aus. Die Mulchschicht bringt viel, macht das Düngen aber nicht überflüssig. Fällt die Ernte mager aus oder zeigen die Blätter Mangelsymptome, gibst du im zeitigen Frühjahr einen Volldünger als Granulat, bevor die Knospen austreiben. Soll der Strauch in einem Topf stehen, muss dieser mindestens 45 cm breit sein, und dort reicht Mulchen überhaupt nicht: gib während der Wachstumszeit alle zwei Wochen einen kaliumbetonten Flüssigdünger, oder jedes Frühjahr ein Granulat auf den Kompost.

Der Boden unter den Sträuchern steht oft leer und lässt sich nutzen. Monatserdbeeren kommen mit dem Halbschatten dort zurecht, und im Sortiment mit Beerensamen findest du Monatserdbeere Baron von Solemacher.

Die Blüten werden von Insekten bestäubt, der Strauch profitiert also davon, wenn im April und Mai anderes in der Nähe blüht. Ein paar Reihen mit Samen für Bestäuber neben der Beerenecke nützen sowohl den Johannisbeeren als auch dem übrigen Garten.

Vier Sorten und ihre Reifezeit

Wählst du eine frühe und eine späte Sorte, zieht sich die Ernte über mehrere Wochen, statt auf einmal zu kommen.

Sorte Reife Merkmale
Jonkheer van Tets früh Lange Trauben und süße Beeren. Reiche Ernte.
Stanza mittel Große, dunkelrote Beeren mit gutem Geschmack.
Red Lake mittel bis spät Große, saftige und dunkelrote Beeren.
Rovada spät Große Beeren und viel Ertrag. Zieht die Saison am weitesten.

Wann und wie du erntest

Die Beeren reifen je nach Sorte im Juli und August. Eine Traube ist fertig, wenn sie eine tiefe, gleichmäßige Farbe hat und die Beeren fest und glänzend sind. Rote Johannisbeeren reifen nach dem Pflücken nicht nach, lass die Trauben also hängen, bis die Farbe bis zum Stiel hinein durchgefärbt ist.

Schneide oder knipse die ganze Traube ab, statt Beere für Beere zu pflücken. Ganze Trauben gehen schneller und halten sich besser. Pflücke an einem trockenen Tag. Ungewaschen halten die Trauben im Kühlschrank etwa 5 Tage.

Deck den Strauch mit einem Netz ab, sobald sich die Beeren zu färben beginnen, sonst sind die Vögel schneller. Wir bei Florea frieren die Trauben ganz ein und ziehen sie danach durch die Zinken einer Gabel. Gefroren lösen sich die Beeren leichter als frisch, und das Abrebeln geht deutlich schneller.

Gelee, das ohne zugesetztes Pektin fest wird

Rote Johannisbeeren gehören zu den Früchten, die so viel Pektin und Säure enthalten, dass der Saft allein mit Beeren und Zucker geliert. Stachelbeeren, saure Äpfel und Cranberrys gehören zur selben Gruppe. Himbeeren liegen dazwischen und lassen sich meist ohne zugesetztes Pektin einkochen, während Erdbeeren so pektinarm sind, dass sie fast immer Hilfe brauchen, um fest zu werden.

Das ist die Erklärung dafür, dass das klassische Johannisbeergelee mit zwei Zutaten auskommt. Ein gut eingewachsener Strauch liefert 3 bis 5 kg Beeren pro Saison. Die britische RHS rechnet mit etwa 4,5 kg je Strauch, und das reicht für mehrere Gläser.

Rote Blasen auf den Blättern

Rote, blasige Aufwölbungen auf der Blattoberseite sehen aus wie eine Pilzkrankheit, sind aber keine. Verursacht werden sie von der Johannisbeerblasenlaus (Cryptomyzus ribis), die auf der Blattunterseite sitzt und Pflanzensaft saugt. Dabei gibt sie Stoffe ab, die das Blattgewebe nach oben ausbeulen und rot färben lassen.

Am stärksten ist der Befall von Ende April bis Juni. Der Strauch wächst trotzdem weiter und trägt normal, eine Bekämpfung ist also selten nötig. Dreh ein paar Blätter um und reibe die Kolonien von Hand ab, wenn du früh dran sein willst. Marienkäfer, Schwebfliegen und Schlupfwespen haben die Läuse bis zum Hochsommer meist zurückgedrängt.

Autorin: Emma Vogiatzi
Faktengeprüft von Erik Hoekstra
Zuletzt aktualisiert 2026-09-01