Die Bergamotte (Citrus bergamia) ist ein kleiner Zitrusbaum aus Kalabrien, dessen Schale das Öl für Earl Grey liefert. Nördlich des Mittelmeers zieht man sie im Kübel, im Sommer draußen und im Winter kühl im Haus. Im Kübel wird der Baum 1 bis 2 Meter hoch, blüht im Frühjahr weiß und stark duftend und reift seine birnenförmigen gelben Früchte zwischen November und Januar. Wie du ihn überwinterst, entscheidet über den Erfolg.
Erde und Kübel
Erde: Zitruserde oder mediterrane Erde, sauer bis leicht sauer mit pH 5,5 bis 6,5. Normale Blumenerde ist zu schwer und zu kalkhaltig.
Drainage: eine Schicht Blähton am Boden und reichlich Abzugslöcher. Zitrus verträgt Trockenheit, aber keine nassen Wurzeln.
Kübel: beginne mit 15 bis 20 Litern. Wechsle die Erde alle zwei bis drei Jahre im Frühjahr und geh immer nur eine Größe nach oben.
Gewicht: nimm einen Kübel, den du zweimal im Jahr bewegen kannst, oder stell ihn auf Rollen.
Im Sommer nach draußen, aber schrittweise
Stell den Baum hinaus, wenn die Nächte sicher über 5 Grad bleiben, meist Mitte bis Ende Mai. Die ersten 10 bis 14 Tage in den Schatten, danach in Etappen in die volle Sonne.
Geht es zu schnell, verbrennen die Blätter. Der Schaden zeigt sich als helle, papiertrockene Flecken mitten auf der Blattspreite und bleibt die ganze Saison.
Im Sommer will die Bergamotte so viel Sonne und Wärme wie möglich. Eine südseitige Wand auf Balkon oder Terrasse ist der beste Platz. Mehr Tipps für solche Standorte findest du im Artikel über das Gärtnern auf dem Balkon.
Gießen und warum Leitungswasser die Blätter vergilben lässt
Gieße, wenn die oberen 3 cm trocken sind, in einer warmen Sommerwoche also jeden zweiten Tag. Gieße durch, bis es unten herausläuft, und kipp den Überschuss aus dem Untersetzer.
Vergilben die Blätter zwischen den Adern, während die Adern grün bleiben, steckt fast immer Eisenmangel dahinter. Die Ursache ist selten fehlendes Eisen in der Erde, sondern kalkhaltiges Leitungswasser, das den pH-Wert anhebt, sodass der Baum das vorhandene Eisen nicht aufnehmen kann.
Nimm Regenwasser, wann immer es geht.
Gib im Sommer zweimal Eisenchelat.
Tausche die Erde alle zwei Jahre aus, statt nur nachzufüllen.
Düngen
Gib von April bis September einmal pro Woche Zitrusdünger. Von Oktober bis März gar nicht düngen, weil der Baum kühl steht und nicht wächst. Dünger für eine ruhende Zitrus gibt lange blasse Triebe, die abknicken. Die Unterschiede zwischen Düngern erklären wir im Beitrag über Pflanzennährstoffe.
Die Überwinterung ist der kritische Teil
Bergamotte verträgt keinen Frost. Hol den Baum herein, wenn die Nächte auf 5 Grad zugehen, meist irgendwann im Oktober.
Temperatur: 6 bis 12 Grad. Ein unbeheizter Wintergarten, ein kühler Flur, eine Garage mit Fenster oder ein Treppenhaus funktionieren.
Licht: so hell wie möglich. Warm und dunkel zusammen ist das, was den Baum im Januar alle Blätter abwerfen lässt.
Wasser: etwa einmal im Monat, gerade so viel, dass der Ballen nicht ganz austrocknet.
Dünger: keiner.
Hast du nur einen warmen Raum: gib dem Baum den hellsten Platz und ergänze mit Pflanzenlicht. Ein warm stehender Baum wächst weiter und braucht dann Licht und Wasser wie im Sommer.
Schnitt
Bergamotte braucht wenig Schnitt. Schneide im Februar oder März, kurz bevor der Austrieb beginnt.
Nimm Zweige heraus, die nach innen wachsen oder sich kreuzen, und kürze Triebe, die aus der Form ragen, bis knapp über ein Blatt. Wassertriebe, also lange gerade Triebe senkrecht nach oben, kommen ganz weg. Nimm nie mehr als ein Viertel der Krone auf einmal.
Blüte, Ernte und wozu die Frucht taugt
Die Blüte kommt vor allem im Frühjahr und duftet kräftig. Die Früchte hängen danach lange und reifen zwischen November und Januar von Grün nach Gelb. Ein Baum im Kübel gibt selten mehr als eine Handvoll Früchte im Jahr.
Der Saft ist pur zu sauer, funktioniert aber wie Limette. Der Punkt ist die Schale: geriebene Schale gibt denselben Duft wie im Earl Grey und passt in Gebäck und Marinaden.
Das Öl in der Schale enthält Bergapten, einen Stoff, der die Haut lichtempfindlich macht. Bekommst du frischen Saft oder Schalenöl an die Hände und gehst dann in die Sonne, kann die Haut röten. Wasch die Hände nach dem Umgang mit Seife.
Schädlinge im Haus
Schildläuse: kleine harte braune Schilde entlang der Blattadern und Zweige, oft mit klebrigem Honigtau darunter. Mit dem Fingernagel abkratzen und einen Monat lang wöchentlich mit Seifenwasser abwischen.
Spinnmilben: feine Gespinste in den Astgabeln und eine gelb gesprenkelte Blattoberfläche. Sie kommen in trockener warmer Winterluft. Dusche den Baum ab und erhöhe die Luftfeuchte.
Blattläuse: an jungen Trieben im Frühjahr. Mit Wasser abspritzen.
Kontrolliere den Baum gründlich, bevor du ihn im Herbst hereinholst. Dann kommen die Schädlinge mit.
Dieselbe Logik wie bei anderen Kübelpflanzen
Die Bergamotte wird im Grunde behandelt wie jede Pflanze, die im Sommer draußen steht und frostfrei überwintert. Willst du eine Chilipflanze ins nächste Jahr retten, gilt fast dasselbe: kühl, hell und fast kein Wasser. Mehr Duft und Geschmack aus eigenem Anbau findest du bei unseren Kräutersamen.
Autorin: Emma Vogiatzi
Fachlich geprüft von Erik Hoekstra
Zuletzt aktualisiert 2026-08-31
