Feigen anbauen


Feigen (Ficus carica) stehen im Weinbauklima im Südwesten im Freiland, etwa in der Pfalz, am Oberrhein und an der Mosel. Weiter nördlich bleiben sie ein Grenzfall und wandern in den Topf. Zwei Dinge entscheiden darüber, ob du Früchte bekommst, und beide stehen selten auf dem Pflegeschild. Das eine ist, zu welchem Typ die Sorte gehört, denn manche Typen brauchen ein Insekt, das es hier nicht gibt. Das andere ist, wie viel Erde die Wurzeln bekommen. Ein Feigenbaum mit freiem Wurzelraum treibt Blätter, einer mit begrenztem Wurzelraum setzt Früchte an.

Was du isst, ist ein Blütenstand, keine Frucht

Die Feige ist botanisch keine Frucht. Sie ist ein krugförmiger Blütenstand, ein Sykonium, in dem die Blüten nach innen in einen hohlen Raum weisen. Oben sitzt eine enge Öffnung, und durch sie gelangt die Feigenwespe (Blastophaga psenes) hinein und bestäubt die Blüten der Wildformen. Was du pflückst, sind viele kleine Früchte in einem fleischigen Blütenstand.

Kulturfeigen werden in vier Typen eingeteilt:

  • Gewöhnliche Feigen: setzen ohne Bestäubung an, also parthenokarp. Das ist der Typ, den du haben willst.

  • Smyrna-Feigen: brauchen Pollen von Bocksfeigen, getragen von der Feigenwespe. Ohne Wespe fallen die Feigen ab.

  • San Pedro: setzen die erste Ernte ohne Bestäubung an, brauchen für die zweite aber die Wespe.

  • Bocksfeigen: auch Caprifeigen genannt. Sie werden nur als Pollenspender angebaut und nicht gegessen.

Die Feigenwespe lebt in Mitteleuropa nicht, deshalb funktioniert hier nur der erste Typ. Parthenokarpe Feigen werden seit über 11.000 Jahren angebaut. Ein Feigenbaum aus dem mitteleuropäischen Handel ist praktisch immer eine gewöhnliche Sorte, aber wenn du Stecklinge aus dem Ausland bestellst, musst du den Typ prüfen.

Begrenze die Wurzeln, sonst bekommst du nur Blätter

Ein Feigenbaum mit unbegrenztem Wurzelraum steckt seine Kraft in Triebe und Blätter. Stehen die Wurzeln eng, bremst das den vegetativen Wuchs und der Baum setzt stattdessen Früchte an. Der Unterschied zwischen einem Feigenbaum, der trägt, und einem, der nur wächst, misst sich in Litern Erde.

Pflanzweise Erdvolumen Ergebnis
Topf, 30 cm breit und 30 cm tief rund 20 Liter Startgröße. Alle zwei Jahre im März in einen etwas größeren Topf umsetzen.
Wurzelbegrenzte Grube an der Wand, 60 x 60 x 60 cm 145 bis 180 Liter Erde Empfohlenes Volumen im Freiland. Die Kraft geht in die Frucht.
Freie Erde ohne Sperre unbegrenzt Starker Blattwuchs und wenige reife Feigen.

So baust du die Grube. Grabe 60 cm tief und breit aus und kleide die Seiten mit hochkant gestellten Betonplatten aus, die 2,5 cm über die Bodenoberfläche ragen, damit die Wurzeln nicht über den Rand wachsen. Der Grubenboden bleibt offen, dort kommen aber 10 bis 20 cm Schotter hinein. Das entwässert und stoppt die Wurzeln nach unten. Fülle mit dem Aushub auf und halte mindestens 20 cm Abstand zum Hausfundament.

Standort, Spalier und Pflanzung

Feigenbäume wollen volle Sonne an einer Süd- oder Westwand. Eine Mauer aus Stein, Ziegel oder Beton speichert tagsüber Sonnenwärme und gibt sie nachts ab. Nach demselben Prinzip wählst du den Platz für Pfirsichbäume und Weinreben.

  • Pflanzzeit: Spätwinter bis Frühjahr, damit der Baum sich vor dem Herbst etabliert.

  • Erde: im Freiland gut durchlässig, im Topf lehmhaltige Kübelpflanzenerde.

  • Form: als Fächer an der Wand aufgebunden, etwa 1,8 m hoch und 3,5 m breit. Maße für Latten, Drähte und Luftspalt stehen im Artikel über den Bau eines Spaliers.

  • Topf: stelle den Topf im August und September in die wärmste Hausecke, dann entscheidet sich die Reife.

Sorten, die in kühlen Sommern reif werden

Die Bestäubungsfrage ist geklärt, sobald du eine Gartenfeige kaufst. Offen bleibt, ob die Feigen in einem kühlen Sommer reif werden. Alle fünf Sorten unten werden in Mitteleuropa im Freien angebaut, wähle also danach, wo der Baum stehen soll.

Sorte Platz Gut zu wissen
Brown Turkey Wand oder Topf Verbreitet und zuverlässig in mitteleuropäischen Gärten. Trägt die Auszeichnung AGM der RHS.
White Marseilles Wand Robust und verlässlich. Große süße Feigen in Hellgrün.
Brunswick Wand Klassische Sorte für kühle Sommer im Freien, auch als Braunschweig geführt.
Violette de Bordeaux Wand oder Topf Wird für kühles Klima empfohlen.
Little Miss Figgy Topf und Balkon Kompakte Sorte für den Topf. Süße weinrote Feigen.

Zwei Ernten werden angesetzt, eine wird reif

Ein Feigenbaum trägt an zwei Sorten Holz, und daraus erklärt sich fast der ganze Schnitt. Im Spätsommer bilden sich kleine Feigen an den Spitzen der diesjährigen Triebe. Sie werden vor dem Winter nicht größer als eine Erbse, bleiben am Zweig sitzen und legen im Mai wieder los. Das ist die Ernte, die bei uns reif wird, Ende August und im September, an dem dann vorjährigen Holz.

Die zweite Ernte wird im späten Frühjahr und im Frühsommer an den neuen Trieben des Jahres angesetzt. Im Mittelmeerklima reift sie im Spätsommer, im Freiland in Mitteleuropa wird sie selten fertig. Diese Feigen bleiben grün und hart.

Am Ende des Sommers nimmst du deshalb alle Feigen ab, die größer als eine Erbse sind, und lässt die erbsengroßen hängen. Die großen grünen reifen ohnehin nicht und ziehen Kraft von den kleinen ab. Schneidest du dabei die Triebspitzen ab, schneidest du die Ernte des nächsten Jahres weg.

Schneide in zwei Durchgängen

Feigen werden zweimal im Jahr geschnitten, beide Male kurz. Der Milchsaft reizt Haut und Augen, trage also Handschuhe.

  1. Spätwinter, Februar bis März: nimm totes, frostgeschädigtes und sich kreuzendes Holz heraus, solange der Baum ruht. Hier liegen die groben Schnitte. Setze sie vor dem Saftaufstieg, denn mitten darin bluten die Schnittflächen lange.

  2. Frühsommer, Juni: kneife die diesjährigen Triebe auf fünf oder sechs Blätter zurück. Die Triebe verzweigen sich, das Licht kommt hinein und das Holz reift vor dem Herbst aus.

Überwinterung im Topf und im Freiland

Feigen werfen die Blätter ab und gehen in echte Ruhe. Ein Baum, der den ganzen Winter in Zimmerwärme steht, treibt im Januar blasse Triebe und schwächt sich.

  • Topf: hol ihn herein, wenn die Blätter gefallen sind, in Garage, Keller oder Kalthaus. 5 bis 10 Grad passen, und das Licht spielt kaum eine Rolle, solange der Baum keine Blätter hat. Gieße einmal im Monat, nur so viel, dass der Wurzelballen nicht ganz austrocknet.

  • Wieder hinaus: nach dem letzten Frost im späten Frühjahr, mit einer Woche Gewöhnung im Halbschatten.

  • Freiland: funktioniert in milden Lagen bis etwa minus 10 Grad, und nur mit Einpacken. Packe nach dem Laubfall Stroh oder Laub um die Zweige, halte es mit Netz oder Jutegewebe fest und decke die Wurzelzone mit 5 bis 10 cm Laub ab.

Wir bei Florea lassen die Topffeige bis zum ersten Nachtfrost draußen stehen, bevor wir sie hereintragen. Der Laubfall geht dann schneller und der Baum geht in einem Zug in die Ruhe.

Wasser und Nährstoffe im kleinen Erdvolumen

Ein begrenzter Wurzelraum heißt, dass die Erde schnell austrocknet. Fühle in warmen Phasen täglich in die Erde und halte sie gleichmäßig feucht, besonders im Topf. Trockenstress mitten in der Reife gibt kleine Feigen, die beim nächsten Gießen aufplatzen.

Gib von Mai an alle zwei Wochen flüssigen Pflanzendünger, bis die Feigen zu reifen beginnen. Stickstoffreicher Dünger bewirkt dasselbe wie ein freier Wurzelraum, also Blätter statt Früchte, halte dich deshalb an die Dosis auf der Packung und wechsle ab Ende Juni auf kaliumreichen Dünger. An dieselbe Wand kannst du Basilikumsamen und Chili- und Paprikasamen säen, die denselben warmen und geschützten Platz wollen.

Ernte und Reifezeichen

Eine Feige reift nach dem Pflücken nicht auf eine Weise nach, die dir hilft. Der Zucker kommt aus dem Baum, eine hart gepflückte Feige wird auf der Küchenbank also weicher, aber nicht süßer. Die Farbe allein reicht als Auskunft nicht. Geh nach drei Zeichen:

  • Der Stiel knickt: die Feige hängt schlaff nach unten, statt vom Zweig abzustehen.

  • Die Schale gibt nach: sie fühlt sich bei leichtem Druck weich an und kann ein wenig aufreißen.

  • Der Tropfen: ein Tropfen Zuckersaft sammelt sich im Auge an der Spitze der Feige.

Pflücke mit einem Stück Stiel daran. Frische Feigen halten nur wenige Tage, geh den Baum in den Wochen der Ernte also jeden zweiten Tag durch.

Autorin: Emma Vogiatzi
Faktengeprüft von Erik Hoekstra
Zuletzt aktualisiert 2026-09-15