Ein Apfelbaum wird am besten im Juli, August und September geschnitten. Dann ist das Triebwachstum abgeschlossen, die Schnittflächen trocknen schnell ab und der Baum reagiert ruhig, statt einen Wald aus Wasserschossen zu treiben. Der Winterschnitt treibt das Wachstum dagegen an, was bei einem jungen Baum richtig ist, bei einem alten aber falsch, den du auslichten willst. Der Zeitpunkt entscheidet mehr über das Ergebnis als die Art, wie du die Säge hältst.
Wann im Jahr du schneidest
Derselbe Schnitt, im März oder im August gesetzt, ergibt zwei verschiedene Bäume.
| Zeitraum | Was im Baum passiert | Wofür der Zeitraum taugt |
|---|---|---|
| Juli bis September (Sommerschnitt) | Das Wachstum steht still, die Nährstoffe wandern zu den Wurzeln und die Wunden überwallen vor der Kälte. | Verjüngung alter Bäume, starke Äste, kräftiges Wachstum bremsen |
| Februar bis Anfang April | Die Reserven aus den Wurzeln schieben kräftiges neues Wachstum in jeden Schnitt. | Aufbau junger Bäume, die ersten 4-5 Jahre |
| Ende April bis Juni | Der Baum blüht und der Saft ist in vollem Fluss. | Nur weiche Wasserschosse mit der Hand ausreißen |
| Oktober bis November | Feucht, die Wundheilung steht still und Pilzsporen gibt es reichlich. | Nichts. Lass die Schere liegen. |
Schneide nicht bei strengem Frost. Unter minus 10 Grad splittert gefrorenes Holz im Schnitt, und junge Bäume nehmen schon bei minus 5 Grad Schaden. Wähle einen trockenen Tag.
Warum der Sommerschnitt einen ruhigeren Baum ergibt
Ein Apfelbaum speichert seine Nährstoffe in Wurzeln und Stamm. Im Winter liegt die gesamte Reserve dort unten, und wenn du Äste von einem ruhenden Baum nimmst, verringerst du die Zahl der Knospen, auf die sich die Reserve verteilen soll. Der Überschuss geht in die verbliebenen Knospen, und im nächsten Sommer steht der Baum voller Wasserschosse von 50-100 cm. Im Juli und August ist es umgekehrt: die Nährstoffe sind auf dem Weg nach unten und der Baum hat keine Reserve, mit der er antworten könnte.
Ein alter Baum, der im Spätsommer geschnitten wird, sieht im Jahr darauf deshalb ungefähr gleich aus, während ein im Winter geschnittener oft struppiger dasteht als vorher. Derselbe Zeitraum gilt für laubabwerfende Hecken und für alles Steinobst. Pflaumenbäume, die im Frühjahr geschnitten werden, bluten Gummi und lassen Pilzkrankheiten durch die Wunden herein.
Werkzeug und Hygiene
Gartenschere: Äste bis etwa 2 cm. Nimm eine Bypass-Schere, bei der zwei Klingen aneinander vorbeigehen. Amboss-Modelle, bei denen die Klinge gegen eine Platte drückt, quetschen das Holz.
Astschere: Äste zwischen 2 und 4 cm.
Astsäge: Alles über 4 cm. Ein gebogenes Blatt, das auf Zug schneidet, kommt im Inneren der Krone an die Äste heran.
Schärfe: Eine stumpfe Klinge quetscht das Holz an der Schnittkante, statt es zu trennen, und gequetschtes Holz heilt schlechter.
Wisch die Schneide zwischen jedem Baum mit 70-prozentigem Alkohol ab. Obstbaumkrebs wandert mit dem Saft auf der Klinge mit und verbreitet sich weiter, ohne dass du es merkst. Hat der Baum eingesunkene Wunden in der Rinde, wisch zwischen jedem Schnitt ab und gib das Schnittgut in die Tonne, nicht auf den Kompost. Schneide gesunde Bäume zuerst und kranke zuletzt. Mehr dazu im Artikel über Schädlinge und Krankheiten.
Wo der Schnitt sitzt
Dort, wo der Ast auf den Stamm trifft, sitzt ein verdickter Ring, der Astring. In ihm sitzen die Zellen, die neues Holz über die Wunde bauen. Säge knapp außerhalb des Rings, damit er rund um die Schnittfläche unversehrt bleibt. Dann schließt der Baum die Wunde aus eigener Kraft vom Rand nach innen.
Sägst du bündig am Stamm, nimmst du den Astring mit weg. Die Wunde wird breiter, als der Ast war, reicht ins Stammholz hinein und heilt nicht. Das ist der häufigste Weg, auf dem Fäulnis in den Baum kommt. Ein stehen gelassener Stummel ist genauso schlecht: alles über 1 cm stirbt zurück und wird zu einem Zapfen, durch den der Pilz einwächst. Bei dünnen Trieben schneidest du 3-5 mm über einer nach außen gerichteten Knospe.
Der Schnitt in drei Schritten für starke Äste
Schnitt von unten: Säge 20-30 cm außerhalb des Astrings von unten ein Drittel in den Ast hinein.
Schnitt von oben: Geh 3-5 cm weiter nach außen und säge den Ast von oben ab. Er fällt, und der Riss in der Rinde bleibt am ersten Schnitt stehen.
Letzter Schnitt: Übrig bleibt ein Stummel, den du beim Sägen festhalten kannst. Nimm ihn knapp außerhalb des Astrings weg.
Gehst du direkt an einen starken Ast, löst er sich, bevor die Säge durch ist, und reißt einen Streifen Rinde weit am Stamm hinunter mit. Diese Wunde wird um ein Vielfaches größer als der Schnitt.
Wie viel und was du wegnimmst
Höchstens ein Fünftel der lebenden Krone pro Jahr. Die Blätter sind die Nährstofffabrik des Baums, und nimmst du mehr weg, antwortet er mit Panikwachstum: mehr Wasserschosse, weniger Früchte und eine Krone, die in zwei Jahren dichter ist als zu Beginn. Ein Fünftel ist weniger, als man denkt. Hat ein alter Baum zehn starke Äste, sind zwei davon das Kontingent für das ganze Jahr. Totes, krankes und abgebrochenes Holz zählt nicht mit.
Tote, kranke und abgebrochene Äste: Zuerst, und zwar jedes Jahr. Danach siehst du das Gerüst des Baums.
Sich kreuzende Äste: Zwei Äste, die aneinander scheuern, reiben ein Loch in die Rinde. Behalte den, der besser wächst.
Nach innen wachsende Äste: Alles, was zum Stamm hin wächst, beschattet die Mitte der Krone und bringt Früchte, die nie reif werden.
Wasserschosse: Senkrechte Triebe ohne Seitenzweige. Nimm etwa ein Drittel pro Jahr weg. Schneidest du alle ab, kommt im nächsten Sommer das Doppelte zurück.
Konkurrierende Mitteltriebe: Ein Apfelbaum soll einen durchgehenden Stamm haben. Kämpfen zwei Triebe um die Spitze, nimm den schwächeren an der Basis weg, solange er dünn ist.
Spitze Astwinkel: Ein Ast in einem Winkel unter 45 Grad zum Stamm sitzt schwach an und bricht heraus, wenn er die volle Ernte trägt.
Das Ziel sind Licht und Luft. Das Licht bringt Farbe und Süße in die Äpfel, und die Luft trocknet die Blätter, sodass der Schorf schlechter Fuß fasst. Der Apfel ist auf Insekten angewiesen, um Früchte anzusetzen, deshalb bringt ein gesäter Streifen mit Samen für Bestäuber neben dem Baum etwas.
Erziehungsschnitt in den ersten Jahren
Junge Bäume werden im März oder April aufgebaut, gerade weil die wachstumsfördernde Wirkung hier erwünscht ist.
Jahr 1: Lass den Baum stehen. Die Wurzeln sollen einwachsen. Nimm nur beschädigte Äste weg.
Jahr 2: Wähle 3-5 Leitäste aus, gleichmäßig um den Stamm verteilt und auf verschiedenen Höhen. Der unterste sitzt mindestens 70 cm über dem Boden. Den Rest nimmst du weg.
Jahr 3 bis 5: Halte den Mitteltrieb allein und kürze, was mit ihm konkurriert. Behalte die gewählten Leitäste und halte die Krone so licht, dass du eine Mütze gerade hindurchwerfen kannst.
Einen alten Baum über drei Jahre verjüngen
Jahr 1, Juli bis September: Nimm Totes, Krankes und Abgebrochenes weg. Rühr nichts Gesundes an. Jetzt siehst du, welche Äste den Baum tragen.
Jahr 2, Juli bis September: Öffne die Mitte. Sich kreuzende und nach innen wachsende Äste kommen weg, bis zu einem Fünftel des lebenden Holzes.
Jahr 3, Juli bis September: Nimm die Höhe zurück. Kürze die höchsten Äste auf einen nach außen gerichteten Seitenast, der mindestens ein Drittel so stark ist wie der Teil, den du wegnimmst. Der Seitenast übernimmt dann den Saftstrom.
Kürzt du den Ast mitten auf der Länge, ohne Seitenast, auf den du ableiten kannst, stirbt der Stummel zurück und der Baum antwortet mit einem Büschel Wasserschosse aus dem Schnitt. Ein ausgelichteter Baum lässt Licht auf den Boden unter sich, und dort wachsen Stauden besser als Gras.
Vier Fehler, die den Baum kosten
Im Herbst schneiden: Im Oktober und November ist es feucht, die Wundheilung steht still und Sporen des Obstbaumkrebses finden in jeden frischen Schnitt.
Die Schnittflächen streichen: Baumwachs und Wundverschluss schließen Feuchtigkeit am Holz ein und halten Fäulnis nicht auf. Ein sauberer Schnitt außerhalb des Astrings heilt an der freien Luft am besten.
Kappen: Die Krone auf einer festen Höhe abzusägen bringt Dutzende schwach sitzender Triebe aus jedem Stummel, und die Stummel faulen von innen.
Alles auf einmal nachholen: Zehn Jahre ohne Schnitt lassen sich nicht an einem Tag richten. Die Fünftelregel gilt auch dann, wenn der Baum hoffnungslos aussieht.
Autorin: Emma Vogiatzi
Faktengeprüft von Erik Hoekstra
Zuletzt aktualisiert 2026-09-01