Clematis anbauen


Clematis ist eine mehrjährige Kletterpflanze, die im Beet überwintert und je nach Sorte irgendwann zwischen Mai und Oktober blüht. Zwei Dinge entscheiden, ob die Pflanze das Spalier mit Blüten bedeckt oder halb kahl dasteht: zu welcher Schnittgruppe sie gehört und wie tief sie gesetzt wurde. Beides lässt sich von Anfang an richtig machen, und beides lässt sich an einer Pflanze korrigieren, die du schon hast.

Schnittgruppe 1, 2 und 3

Die Schnittgruppe steht meist auf dem Etikett, im Handel fehlt sie aber manchmal. Die Gruppe sagt dir, wo die Blütenknospen sitzen, und das bestimmt, wann du schneiden darfst. Schneidest du eine Clematis der Gruppe 1 im März zurück, nimmst du die gesamte Blüte des Jahres weg, denn die Knospen sitzen am vorjährigen Holz. Lässt du eine Pflanze der Gruppe 3 ungeschnitten, wird sie auf den untersten Metern kahl und blüht nur noch oben. Dieselbe Gattung, drei verschiedene Arbeitsschritte.

Gruppe Beispiele Blüte Knospen sitzen an Was du tust und wann
1 Alpen-Waldrebe (Clematis alpina) mit Sorten wie 'Pamela Jackman' und 'Willy', Clematis macropetala und andere Atragene-Clematis sowie Berg-Waldrebe (Clematis montana) Mai bis Anfang Juni, ein Durchgang Vorjährigem Holz Schneide in einem normalen Jahr gar nicht. Entferne tote Triebe und lichte nach der Blüte im Juni oder Juli aus. Ist die Pflanze vergreist, kannst du sie auf 50-100 cm verjüngen, höchstens alle drei Jahre.
2 Frühe großblumige Sorten wie 'Nelly Moser', 'The President', 'Doctor Ruppel', 'Multi Blue' und 'Piilu' Mai bis Juni, oft ein zweiter Durchgang im August und September Vorjährigem Holz und diesjährigen Trieben Leichter Schnitt im Februar oder März. Verfolge jeden Trieb von oben nach unten bis zum ersten Paar lebender grüner Knospen, schneide knapp darüber und wirf das trockene Stück weg. Putze Verblühtes nach dem ersten Durchgang aus.
3 Späte großblumige wie 'Jackmanii' und 'Hagley Hybrid', Viticella-Clematis wie 'Étoile Violette', Gold-Waldrebe (Clematis tangutica) Juli bis Oktober Nur diesjährigen Trieben Schneide jedes Jahr im Februar oder März kräftig zurück, bis auf das unterste Knospenpaar, etwa 20-30 cm über dem Boden. Die ganze Pflanze baut sich jede Saison neu auf.

So erkennst du die Gruppe, wenn das Etikett fehlt

Das Etikett verschwindet oft schon in der ersten Saison. Die Blüte verrät die Gruppe:

  • Blüht vor Ende Juni und danach nicht mehr: Gruppe 1.

  • Große Blüten im Mai oder Juni und noch einmal im August oder September: Gruppe 2.

  • Setzt erst im Juli oder später Knospen an: Gruppe 3.

Bist du zwischen 2 und 3 unsicher, behandle die Pflanze im ersten Jahr als Gruppe 2 und notiere, wann sie blüht. Ein zu leichter Schnitt bei Gruppe 3 macht die Pflanze nur höher und lässt sie später blühen. Ein zu harter Schnitt bei Gruppe 2 kostet die ganze Frühsommerblüte.

5 bis 10 cm tiefer pflanzen, als der Topf stand

Clematis wird tiefer gesetzt als fast alles andere im Beet, und das ist Absicht. Großblumige Sorten und Viticella-Clematis werden mit der Oberkante des Wurzelballens 5 bis 10 cm unter der Erdoberfläche gepflanzt. Die Arten der Gruppe 1 setzt du mit dem Wurzelballen knapp unter die Oberfläche.

Der Grund ist, dass zwei oder drei Blattknoten dann unter der Erde liegen, und in jedem Knoten sitzen schlafende Knospen. Stirbt der ganze oberirdische Teil an der Clematiswelke ab, kann die Pflanze aus diesen Knospen unten in der Erde neue Triebe schieben. Eine Pflanze, die auf Höhe der Erdoberfläche gesetzt wurde, hat nichts, woraus sie treiben kann. Die tiefe Pflanzung ist eine Versicherung, kein Pflegetrick.

Setze die Pflanze ein Stück von der Hauswand entfernt, außerhalb der Dachtraufe, und neige den Wurzelballen zur Stütze hin. Schneide die frisch gepflanzte Clematis danach auf etwa 20 cm zurück. Das wirkt hart, erzwingt aber mehrere Triebe aus der Basis statt eines einzelnen, der unten kahl wird.

Kühler Fuß und sonniger Kopf

Die alte Regel stimmt. Die Triebe wollen Sonne oder Halbschatten, während die Wurzelzone kühl und feucht bleibt. Lege einen flachen Stein über die Erde am Fuß der Pflanze oder pflanze niedrige Stauden auf die Sonnenseite, damit sie den Boden beschatten, ohne in den Wurzelballen zu wachsen. Atragene-Clematis und Viticella-Clematis kommen auch mit einer Nordlage zurecht, während die großblumigen Sorten mindestens ein paar Stunden Sonne brauchen, um Knospen anzusetzen.

Kletterhilfe, die der Blattstiel greifen kann

Clematis klettert mit den Blattstielen. Der Stiel wickelt sich ein paar Mal um das, was gerade am nächsten ist, und hält den Trieb fest. Daraus folgt eine Anforderung an die Stütze: sie muss dünn genug zum Umwickeln sein. Ein glatter Pfosten, ein breites Brett oder eine verputzte Wand geben dem Blattstiel nichts zum Festhalten, und die Pflanze rutscht herunter, sobald sie schwer von Blüten wird.

Netze mit Maschen von wenigen Zentimetern, ein Spalier aus dünnen Latten, gespannte Drähte oder ein vorhandenes Gehölz funktionieren. Sitzt das Spalier an einer Wand, sollte es mindestens 2,5 cm von der Wand abstehen, damit die Triebe um die Latte herumkommen. Vergleiche mit Efeu, der sich mit Haftwurzeln festhält und an einer glatten Fassade zurechtkommt, und mit Geißblatt, das sich mit dem ganzen Trieb windet und auch gröbere Pfosten schafft.

In der ersten Saison steckt die Clematis ihre Kraft in die Wurzeln und bedeckt selten mehr als ein Drittel des Netzes. Willst du schon im selben Sommer Grün an der Stütze, säe eine einjährige Kletterpflanze daneben, zum Beispiel Glockenrebe oder Duftwicke. Die Aussaat ist in der Anleitung zum Anbau der Glockenrebe beschrieben.

Boden, Wasser und Nährstoffe

  • Boden: tief, humusreich und feuchtigkeitshaltend, aber gut durchlässig. Auf magerem Boden mischst du Kompost oder gut verrotteten Mist ein. Eine Kiesschicht obenauf verbessert den Abfluss direkt am Stamm.

  • Wasser: Clematis ist durstig und verträgt keine ausgetrocknete Erde während der Wachstumszeit. Halte den Boden die ersten zwei Jahre feucht und gieße auch im dritten und vierten Jahr bei Trockenheit. Im Topf braucht sie zwischen April und Oktober fast täglich Wasser.

  • Nährstoffe: im Pflanzjahr gibst du keinen Dünger. In nährstoffreichem Gartenboden reicht danach Kompost im Frühjahr. Im Topf gibst du im Frühjahr und Sommer flüssigen Volldünger.

  • Unkraut: halte die Wurzelzone die ersten drei Jahre frei. Die Wurzeln konkurrieren schlecht, solange sich die Pflanze etabliert.

Clematiswelke und was du dagegen tust

Die Clematiswelke wird vom Pilz Calophoma clematidina verursacht, früher Phoma clematidina genannt. Sie beginnt mit dunklen Flecken auf den Blättern. Dann hängt ein ganzer Trieb innerhalb von ein bis zwei Tagen schlaff herunter, obwohl die Erde feucht ist, und wenn du den Trieb längs aufschneidest, siehst du schwarz verfärbtes Holz.

Betroffen sind die großblumigen Hybriden, darunter 'Nelly Moser', 'Jackmanii' und 'Marie Boisselot'. Die kleinblütigen Arten bleiben weitgehend verschont: Alpen-Waldrebe, Berg-Waldrebe und Gold-Waldrebe. Viticella-Clematis gilt als robust, nicht als völlig sicher.

  1. Schneide alles Welke weg bis ins gesunde Holz ohne schwarze Verfärbung. Ist die Schnittfläche dunkel, gehst du weiter nach unten.

  2. Entsorge oder verbrenne das Material. Wirf es nicht auf den Kompost, sonst verteilst du den Pilz zurück ins Beet.

  3. Reinige die Gartenschere zwischen den Schnitten und vor der nächsten Pflanze.

  4. Warte auf neue Triebe. Eine tief gepflanzte Clematis treibt oft aus den Knoten unter der Erdoberfläche neu aus, innerhalb weniger Wochen oder bis zum nächsten Frühjahr. Grabe die Pflanze nicht aus, bevor du ihr eine ganze Saison gegeben hast.

Ein Mittel zur Behandlung gibt es nicht. Willst du das Problem ganz vermeiden, wähle Viticella-Clematis oder Alpen-Waldrebe statt einer großblumigen Hybride. Hier ist die Sortenwahl der gesamte Pflanzenschutz.

Vier Fehler, die dich die Blüte kosten

  • Frühjahrsputz ohne Blick auf die Gruppe: ein pauschaler Rückschnitt im März löscht die Blüte in Gruppe 1 und halbiert sie in Gruppe 2.

  • Zu flach gepflanzt: ein Wurzelballen auf Höhe der Erdoberfläche lässt die Pflanze ohne Reserve, wenn der obere Teil abstirbt.

  • Zu grobe Kletterhilfe: eine Stütze, die der Blattstiel nicht umfassen kann, lässt die Triebe auf dem Boden landen.

  • Ungeduld im ersten Jahr: eine frisch gepflanzte Clematis baut Wurzeln. Rechne im ersten Jahr mit spärlicher Blüte und ab dem dritten Jahr mit voller Blüte.

Autorin: Emma Vogiatzi
Faktengeprüft von Erik Hoekstra
Zuletzt aktualisiert 2026-09-01