Blauregen (Wisteria) ist ein verholzender, laubabwerfender Kletterer, der 8 bis 12 Meter hoch wird und im Mai und Juni mit hängenden Blütentrauben in Blauviolett blüht. In Mitteleuropa ist er winterhart, braucht aber einen nach Süden oder Westen gerichteten Standort, um Knospen anzulegen. Zwei Dinge entscheiden darüber, ob eine Pflanze blüht oder nur wächst: ob sie gepfropft oder aus Samen gezogen wurde, und ob sie zweimal im Jahr statt einmal geschnitten wird.
Gepfropft oder aus Samen gezogen entscheidet über den Blühbeginn
Die häufigste Frage zum Blauregen ist, warum die Pflanze nicht blüht, und die Antwort liegt meist schon in der Baumschule. Ein aus Samen gezogener Blauregen durchläuft ein langes Jugendstadium, bevor er blühfähig wird, und das kann bis zu 20 Jahre dauern. Ein gepfropftes Exemplar trägt einen Trieb von einer Pflanze, die bereits blühfähig ist, und blüht meist innerhalb von drei bis vier Jahren nach dem Pflanzen. Gleiche Art und gleiche Pflege, aber fünfzehn Jahre Unterschied in der Wartezeit.
Die Veredelungsstelle: Ein gepfropfter Blauregen hat einen Knoten oder eine deutliche Verdickung am Stamm ein Stück über der Erdoberfläche, dort sitzt die Sorte auf der Unterlage. Eine aus Samen gezogene Pflanze hat einen glatten Stamm bis hinunter in den Topf.
Das Etikett: Pflanzen mit Sortennamen in einfachen Anführungszeichen wie 'Prolific', 'Amethyst' oder 'Multijuga' sind fast immer gepfropft. Steht dort nur Wisteria sinensis ohne Sortennamen, ist die Pflanze häufiger aus Samen gezogen.
Die Blüten: Eine blühende Pflanze gibt die Antwort sofort.
Wächst deine Pflanze mehrere Meter im Jahr, ohne zu blühen, und ist der Stammfuß glatt, ist die Anzucht aus Samen die wahrscheinliche Erklärung.
Schnitt in zwei Durchgängen
Blauregen wird zweimal im Jahr geschnitten, anders als Klematis, bei der ein Schnitt genügt, und der Schnitt ist die wichtigste Maßnahme überhaupt. Die Blüten sitzen nicht an den langen neuen Ranken, sondern an kurzen Seitentrieben, den Blühsporen, die sich über mehrere Saisons aufbauen. Der ganze Schnitt läuft darauf hinaus, die langen Triebe des Jahres in solche Sporen umzuwandeln.
Juli oder August: Kürze alle langen Triebe des Jahres auf fünf oder sechs Blätter, ungefähr 30 cm. Die Triebe, die du für das Gerüst behalten willst, lässt du ungeschnitten und bindest sie an. Der Schnitt bremst das Längenwachstum, während der Pflanze der ganze Spätsommer bleibt, sodass die Kraft in die Knospenanlage geht und nicht in neue Meter Ranke. Gleichzeitig kommt Licht an das Holz, das dadurch besser ausreift.
Januar oder Februar: Gehe zu denselben Trieben zurück und kürze sie auf zwei oder drei Knospen, ungefähr 10 cm. Die Pflanze steht kahl und die Knospen sind zu sehen: Blütenknospen sind rund und dick, Blattknospen schmaler und flacher. Schneide knapp über einer Knospe und entferne Triebe, die in die Wand hineinwachsen oder sich kreuzen.
Ohne den Sommerschnitt bekommst du oben eine wirre Blattmasse und wenige Trauben. Ohne den Winterschnitt sitzen die Trauben immer weiter vom Gerüst entfernt, wo das Laub sie verdeckt. Die Wirkung zeigt sich im Jahr darauf, rechne also mit zwei Saisons, bis eine vernachlässigte Pflanze reagiert.
Japanischer und Chinesischer Blauregen
Die Arten unterscheiden sich in der Länge der Trauben, im Zeitpunkt der Blüte im Verhältnis zum Laubaustrieb und in der Richtung, in die sich die Triebe winden. Die Windungsrichtung lässt sich das ganze Jahr über ablesen, auch an einer Pflanze, die noch nie geblüht hat. Schau von oben auf einen jungen Trieb, dort wo er sich um seine Stütze dreht.
| Art | Windet sich | Blütentrauben | Blüte und Laub | Höhe |
|---|---|---|---|---|
| Japanischer Blauregen (Wisteria floribunda) | Im Uhrzeigersinn, von oben betrachtet | Die längsten der Gattung, bei 'Multijuga' bis zu 1,2 m | Blüht gleichzeitig mit dem Laubaustrieb | 8 bis 12 m |
| Chinesischer Blauregen (Wisteria sinensis) | Gegen den Uhrzeigersinn, von oben betrachtet | 15 bis 30 cm, die ganze Traube öffnet sich gleichzeitig | Blüht vor dem Laubaustrieb, die Trauben hängen unverdeckt | Über 12 m |
Beide duften süß und nach Weintrauben. Die langen japanischen Trauben kommen über einer Pergola zur Wirkung, wo sie frei hängen. An einer Fassade passt der Chinesische besser, weil die kurzen Trauben nicht gegen die Wand gedrückt werden.
Die Stütze muss eine ausgewachsene Pflanze tragen
Blauregen ist eine Schlingpflanze, genau wie Geißblatt, aber in einer anderen Gewichtsklasse. Der ganze Trieb windet sich um das, was am nächsten ist, und verholzt dann. Eine alte Pflanze hat Stämme so dick wie ein kleiner Baumstamm, und der Griff wird jedes Jahr fester, weil der Stamm dicker wird, die Spirale sich aber nicht weiten kann. Deshalb quetscht Blauregen Regenrohre, Lattenzäune und Verschalungen kaputt.
An der Fassade: Spanne kräftigen galvanisierten Stahldraht waagerecht mit 30 cm Abstand zwischen den Drähten und befestige ihn mit Ösenschrauben von 7,5 cm, sodass der Draht von der Wand absteht. Ein Spannschloss pro Draht lässt dich nachspannen, wenn er durchhängt. Schraube in einen Balken oder in das Mauerwerk, nie allein in Putz oder Außenverschalung.
Bauteile: Leite die Triebe von Dachrinne, Regenrohr und Traufe weg, solange sie weich und grün sind. Ein Trieb, der sich einmal um ein Regenrohr gewunden hat, lässt sich drei Jahre später nicht mehr lösen, ohne dass das Rohr bricht.
Anbinden: Binde locker mit weichem Band und sieh die Bindungen jedes Frühjahr durch. Schnur, die liegen bleibt, schneidet in den Stamm ein, wenn er dicker wird.
Freistehend: Ein Rankgitter aus Latten von 15 bis 25 mm reicht für einen einjährigen Kletterer, aber nicht für Blauregen. Maße und Verankerung stehen in der Anleitung über Rankgitter bauen.
Standort, Boden und Pflanzung
Blauregen blüht in der Sonne und legt im tiefen Schatten wenige oder keine Knospen an. Wähle eine nach Süden oder Westen gerichtete Wand mit Sonne den größten Teil des Tages und einen nährstoffreichen, gut durchlässigen Boden. Pflanze möglichst zwischen Oktober und April. Setze die Pflanze 30 bis 45 cm von der Sockelkante entfernt und neige den Wurzelballen zur Stütze hin, denn der Boden direkt an einer Hauswand liegt im Regenschatten. Im Topf braucht das Gefäß mindestens 45 cm Durchmesser.
In den ersten drei oder vier Jahren deckt die Pflanze die Stütze selten ganz. Willst du schon im ersten Sommer Blüten an der Wand, kannst du daneben einen einjährigen Kletterer säen, zum Beispiel Duftwicken oder Glockenrebe. Niedrige Stauden am Fuß der Pflanze beschatten den Boden, ohne dem Wurzelballen Konkurrenz zu machen.
Wässern und düngen
Wasser im Juli, August und September: Dann werden die Blütenknospen für das nächste Jahr angelegt. Trocknet die Pflanze in diesen Monaten aus, verlierst du die Blüte im Jahr darauf, auch wenn sie unbeschädigt aussieht.
Kalium vor Stickstoff: Stickstoffreicher Dünger gibt mehr Ranke und weniger Blüten. Auf leichtem Sandboden gibst du im Frühjahr stattdessen Kaliumdünger, ungefähr 20 g pro Quadratmeter.
Wurzeltriebe: Entferne Triebe, die von der Unterlage unterhalb der Veredelungsstelle kommen. Sie wachsen kräftiger als die Sorte darüber und blühen nicht.
Winterhärte und Spätfrost
Die Angaben zur Winterhärte gelten für das Überleben der Pflanze, nicht für die Blüte. Die Pflanze selbst ist härter als ihre Blütenknospen, und dieser Unterschied entscheidet darüber, wie oft du die Blüte zu sehen bekommst. Eine Frostnacht im April oder Mai, wenn die Knospen geschwollen sind, kann die Trauben eines ganzen Jahres an einer Pflanze vernichten, die den Winter ohne Schaden überstanden hat. Meide Frostmulden, in denen sich nachts die Kaltluft sammelt. Eine besonnte Mauer speichert am Tag Wärme und gleicht die Nachttemperatur aus, was ein Grund dafür ist, dass Blauregen an einer Wand und nicht frei stehend gezogen wird.
Blauregen ist giftig
Alle Teile der Pflanze enthalten das Glykosid Wisterin sowie Lektine, und der Gehalt ist in den Samen am höchsten. Die Hülsen sind flach, braun und samtig behaart, werden 5 bis 10 cm lang und enthalten einige Samen von etwa 1 cm. Sie platzen auf und verdrehen sich beim Trocknen, und leere Hülsen bleiben oft bis in den Winter hängen.
Der Verzehr führt zu Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall, und Blauregen hat in mehreren Ländern Vergiftungen bei Kindern verursacht. Das ist kein Grund, auf die Pflanze zu verzichten, aber wenn kleine Kinder im Garten unterwegs sind, ist es sinnvoll, die Hülsen abzuschneiden, bevor sie aufgehen. Verwechsle Blauregen auch nicht mit Goldregen (Laburnum), einem kleinen Baum mit gelben Trauben, dessen Samen Cytisin enthalten.
Autorin: Emma Vogiatzi
Faktengeprüft von Erik Hoekstra
Zuletzt aktualisiert 2026-09-03