Weintrauben anbauen


Weintrauben (Vitis vinifera) wachsen in Mitteleuropa im Freiland. In den Weinbaugebieten an Rhein, Mosel und Neckar reift fast jede Sorte aus, weiter nördlich und in höheren Lagen entscheidet die Sortenwahl darüber, ob die Beeren vor dem Ende des Herbstes süß werden. Sie wiegt dort schwerer als Boden, Dünger und Wassergaben zusammen. Danach hängt die Ernte an zwei Handgriffen: am Rebschnitt und am Ausdünnen der Trauben.

Die Sortenwahl entscheidet, ob die Trauben reifen

Eine Rebe setzt überall Früchte an. Die Frage ist, ob die Beeren vor den Frösten süß werden. Die Lese liegt je nach Sorte zwischen Ende August und Anfang Oktober, lies also die Reifezeit, bevor du die Farbbeschreibung liest.

Sorte Farbe Kerne Reife Gut zu wissen
Reliance rot kernlos früh Die RHS empfiehlt sie für kühle Lagen.
Siegerrebe rotrosa mit Kernen sehr früh Gibt Weißwein trotz rotrosa Beeren. Lockt Wespen an.
Cabernet Cortis blauschwarz mit Kernen früh Weinsorte, widerstandsfähig gegen Pilzkrankheiten.
Lakemont hellgrün kernlos Ende September Süßer Muskatton, braucht deine wärmste Lage.
Phoenix gelbweiß mit Kernen spät im September Widerstandsfähig gegen Echten Mehltau.
Bianca weiß mit Kernen mittelfrüh Robust gegen Echten und Falschen Mehltau sowie Graufäule. Treibt spät aus und übersteht Spätfrost.

Kernlose Sorten sind unter den frühen seltener, es gibt sie aber. Sovereign Coronation ist kernlos, dunkel blauviolett und süß mit Muskatton, und Himrod wird als Freilandrebe gehandelt. Unter den Weinsorten wird Solaris in kühleren Weinbaugebieten angebaut. Wähle zuerst nach Reifezeit, dann nach Farbe.

Lage, Boden und Pflanzung

Weintrauben wollen volle Sonne, und dabei geht es um Wärme genauso wie um Licht. Eine nach Süden gerichtete Mauer aus Stein, Ziegel oder Beton lädt sich tagsüber mit Sonnenwärme auf und gibt sie nachts wieder ab. Das hält die Temperatur an den Trauben oben, genau in den Septemberwochen, in denen die Reife entschieden wird. Meide Frostmulden, in denen Spätfrost die jungen Triebe wegnimmt.

  • Pflanzzeit: November bis Anfang März, im Freiland am besten im frühen Frühjahr.

  • Abstand zur Mauer: mindestens 20 cm vom Sockel weg. Der Boden an einer Hauswand liegt im Regenschatten und braucht auch nach Regen Wasser.

  • Abstand zwischen den Pflanzen: 1,2 bis 1,5 m zwischen den Reben, 1,5 bis 1,8 m zwischen den Reihen.

  • Boden und Kübel: gut durchlässig und nie durchnässt, mit einem pH-Wert zwischen 6,5 und 7. Im Kübel mindestens 30 cm breit und tief.

  • Mulch: 5 bis 7,5 cm Kompost im Spätwinter, nicht an den Stamm.

Das Gerüst muss bei der Pflanzung stehen. Die Maße für Drähte, Latten und den Luftspalt zur Fassade stehen im Artikel über den Bau eines Spaliers. Die Rebe füllt die Fläche erst im dritten Jahr, nutze das andere Ende des Spaliers in der Zwischenzeit also für Samen von Duftwicken.

Die Rebe trägt an Jahrestrieben aus dem Vorjahresholz

Die Trauben sitzen an den Trieben dieses Jahres, und diese Triebe wachsen aus Augen an Holz, das in der letzten Saison gebildet wurde. Holz, das zwei Jahre oder älter ist, trägt nichts. Deshalb kommen 80 bis 90 Prozent des Vorjahreszuwachses jeden Winter weg, und übrig bleiben bei einer Tafeltraube 40 bis 60 Augen, bei einer Weinsorte 20 bis 30. Der Schnitt behält also wenige einjährige Ruten, die die Ernte dieses Jahres tragen und die neuen Triebe liefern, die im nächsten Jahr übernehmen. Du nimmst damit deutlich mehr Holz weg als beim Schnitt von Apfelbäumen.

Guyot mit Fruchtrute und Zapfen

Guyot passt im Freiland am besten. Der einfache Guyot hat eine Fruchtrute und wird mit 65 bis 100 cm Abstand gepflanzt. Der doppelte Guyot hat zwei und wird mit 1,2 bis 1,5 m gepflanzt.

  1. Die Drähte: der unterste 50 bis 80 cm über dem Boden, der nächste 15 bis 20 cm darüber, danach alle 30 bis 40 cm ein Draht.

  2. Die Fruchtrute: biege eine einjährige Rute herunter, binde sie waagerecht am untersten Draht an und kürze sie auf 60 bis 90 cm. Die waagerechte Lage bricht das Spitzenwachstum, sodass die Augen über den ganzen Arm gleichmäßig austreiben.

  3. Der Zapfen: kürze den mittleren Trieb auf drei starke Augen, beim einfachen Guyot auf zwei. Aus ihnen wachsen die Fruchtruten des nächsten Jahres.

  4. Im Sommer: führe die Triebe vom Arm senkrecht nach oben, mit 15 cm Abstand zueinander, entspitze sie drei Blätter über dem obersten Draht und schneide die Seitentriebe auf ein Blatt.

  5. Im nächsten Winter: schneide den ganzen Arm, der getragen hat, komplett weg, biege an seiner Stelle einen Trieb vom Zapfen herunter und kürze den mittleren Trieb wieder auf drei Augen.

An einer Mauer funktioniert auch der Kordon, mit einem bleibenden Stamm, der alle 25 bis 30 cm Fruchtzapfen trägt, jeden Winter auf ein kräftiges Auge geschnitten.

Schneide im Dezember, nicht im Frühjahr

Schneide, wenn die Rebe vollständig in Ruhe ist, von Ende November bis Dezember. Ab Januar steigt der Saft, und ein Schnitt, der dann gesetzt wird, blutet stark. Das Bluten lässt sich nicht stoppen. Es hört erst auf, wenn die Rebe zu wachsen begonnen hat, und in der Zwischenzeit schwächt sich die Pflanze.

Die Ausnahme sind Lagen mit späten Frühjahrsfrösten, wo der Schnitt bis in den März oder Anfang April verschoben werden kann, um die Augen länger schlafen zu lassen. Dann musst du mit Saftverlust rechnen. Das Entspitzen und das Zurückschneiden der Seitentriebe im Sommer sind etwas anderes und laufen von Juni bis August.

Das Ausdünnen trennt süße Trauben von sauren

Eine Rebe bringt nur eine begrenzte Zahl an Trauben zur Reife. Darf sie alle behalten, die sie ansetzt, reicht der Zucker nicht, und im Oktober stehst du mit sauren Beeren da.

  • Jahr 1 und 2: nimm alle Blütenstände ab. Die Rebe soll Wurzel und Holz aufbauen.

  • Jahr 3 und 4: lass im dritten Jahr höchstens 3 Trauben hängen und im vierten etwa 5.

  • Jahr 5 und danach: volle Ernte, bei Tafeltrauben aber mit einer Traube pro Fruchttrieb. Bei 15 cm Abstand zwischen den Trieben sind das 6 bis 7 Trauben pro Meter Fruchtrute. Weinsorten tragen mehr.

  • In der Traube: nimm mit einer schmalen Schere etwa jede dritte Beere heraus, solange die Beeren klein sind, und geh die Traube noch einmal durch, wenn sie gewachsen sind.

Die verbleibenden Beeren werden größer und reifen gleichmäßiger, und Luft kommt in die Traube. Eine dicht gepackte Traube trocknet innen nie ab, und wo eine Beere zu faulen beginnt, folgen die Nachbarn. Im September nimmst du auch die Blätter direkt an den Trauben weg, damit die Sonne herankommt.

Gewächshaus oder Freiland

Im Gewächshaus reifen auch Sorten, die draußen nie fertig werden. Die Standardlösung ist, die Rebe außerhalb des Gewächshauses zu pflanzen und den Stamm durch eine Öffnung am Boden hereinzuführen, sodass die Wurzel in freier Erde steht. Steht sie im Gewächshausbeet, braucht sie alle 7 bis 10 Tage Wasser. Halte mindestens 1 m zwischen den Pflanzen und gib alle zwei Wochen kaliumreichen Flüssigdünger, bis die Trauben Farbe annehmen.

Halte die Luken im Sommer und im Herbst offen. Die Rebe will trockene, bewegte Luft, während Gurken und Melonen die feuchtere Gewächshausluft mögen. Teilen sie sich den Raum, muss die Lüftung den Ton angeben, sonst kommt der Mehltau.

Mehltau, Graufäule und Wespen

  • Echter und Falscher Mehltau: beide profitieren von stehender feuchter Luft. Ein offener Aufbau, das Entblättern im September und eine Sorte wie Phoenix bringen mehr als eine Behandlung im Nachhinein.

  • Graufäule in dichten Trauben: das Ausdünnen ist die Maßnahme, nicht die Spritze.

  • Wespen: gehen ab Ende August an süße und aufgeplatzte Beeren. Nimm beschädigte Beeren weg und ziehe Stoffbeutel über die Trauben, die du behalten willst.

  • Vögel: deck mit einem Netz ab, das 15 bis 20 cm über den Trauben gehalten wird, sonst picken sie direkt durch die Maschen.

  • Blasse Blätter: häufiger Nährstoffmangel als Krankheit. Weitere Symptome stehen im Überblick zu Schädlingen und Krankheiten.

Ernte

Trauben reifen nach dem Pflücken nicht weiter, die Farbe ist also ein schlechter Beleg und der Geschmack ein guter. Eine weiße Sorte ist fertig, wenn die Beeren durchscheinend gelb geworden sind, die Haut dünner und die Beere weich und süß ist. Probiere am äußeren Ende der Traube, dort reift die Beere zuletzt.

Schneide die ganze Traube mit einem Stück Stiel ab. Wir bei Florea machen das erste Ausdünnen der Beeren Ende Juni, wenn die Beeren so groß wie Erbsen sind. Kein anderer Handgriff ist im Herbst so deutlich zu schmecken.

Autorin: Emma Vogiatzi
Faktengeprüft von Erik Hoekstra
Zuletzt aktualisiert 2026-09-03